Vorzeitige Einleitung / Wunschkaiserschnitt bei Hyperemesis Gravidarum

Immer wieder kommt bei Frauen, die unter Hyperemesis Gravidarum leiden, der Gedanke und der Wunsch auf, ihr monatelanges Leiden durch eine vorzeitige Einleitung der Geburt bzW einen geplanten Kaiserschnitt abzukürzen und zu beenden. Dieses Thema wird nicht nur unter den Ärzten, Hebammen und medizinischem Personal, sondern auch unter den Frauen, die an HG leiden kontrovers diskutiert. In diesem Artikel sollen daher die unterschiedlichen Aspekte des Pro und Contra auf medizinischer Ebene, aber auch persönliche Erfahrungen, Gedanken und Gefühle zu diesem schwierigen Thema Raum und Platz finden.

Für den Einstieg möchte ich gerne zunächst die persönlichen Erfahrungen von Frauen aus der Selbsthilfegruppe darstellen, weil ich denke, dass diese eine zentrale Rolle in der Leidensgeschichte mit HG spielen und ebenso in der individuellen Entscheidungsfindung jeder Frau.

Für mich selbst gab es in meinen drei HG Schwangerschaften immer nur ein Ziel, an das ich mich in meinem monatelangen Leben mit der stetigen Übelkeit und dem fortwährenden Erbrechen geklammert habe: der Tag der Geburt meines Kindes, der gleichzeitig auch meine Erlösung sein würde. Ich erinnere mich daran, wie ich in meiner letzten Schwangerschaft in den ersten Wochen im Krankenhaus lag , angeschlossen an Infusionen zur künstlichen Ernährung und zu schwach und zu gelähmt durch das starke Untergewicht, die Übelkeit und das ständige Erbrechen, um aufstehen zu können und mir immer und immer wieder vorstellte, wie ich mein Baby auf dem Arm halten und ihm über das weiche, flaumige Köpfchen streicheln würde. Das wurde zu meinem inneren Bild und Mantra, mit dem ich gegen das schmerzhafte und verzweifelte Verlangen ankämpfte aufzugeben und von den Ärzten einen Schwangerschaftsabbruch zu verlangen. Es war meine dritte Schwangerschaft und ich wusste genau, was vor mir lag und wie schwer und lange diese Schwangerschaft werden würde…aber es wurde noch schlimmer, als ich es in meinen Schwangerschaften zuvor erlebt hatte. Zu der HG, die diesmal bis zur Geburt andauerte, entwickelte sich zusätzlich eine schwere Drei-Etagen-Thrombose, die mir starke Schmerzen bereitete ,bedrohlich war und mich zusätzliche Kraft kostete und die erforderte, dass ich mir zwei Mal täglich bis zum Ende der Schwangerschaft selbst Gerinnungshemmer spritzte. Hinzu kamen vorzeitige Wehen, starker Eisenmangel, Herz-Kreislauf Probleme mit Zusammenbrüchen. Ich fühlte mich krank, geschwächt und alt, konnte kaum Laufen ohne zu kollabieren und alltägliche Dinge wie Haare waschen und Duschen erforderten meine ganze Kraft, unendlich viel Zeit und nicht selten die Hilfe von meinem Mann. Ich war physisch und psychisch am Ende meiner Kräfte, musste immer noch täglich Medikamente gegen das Erbrechen nehmen und jeder einzelne Tag war für mich eine Qual. Für mich stand fest: ich halte das noch solange, wie erforderlich durch dh. Bis zum Ende der Frühgeburtlichkeit meines Kindes (37+0 SSW) und dann ist für mich der Tag gekommen, an dem ich erlöst werde und mein miserabler Gesundheitszustand, die monatelange Dauerübelkeit ein Ende hat und ich wieder auf die Beine komme. Ich trug den Wunsch nach einer vorzeitigen Einleitung bei meinem Gynäkologen vor, vereinbarte einen Termin zur Geburtsplanung, auch wegen der erschwerenden Umstände mit meiner Thrombose und dem Risiko der Gerinnungshemmer im Krankenhaus. Doch meine Hoffnungen und Erwartungen auf Verständnis für meine Lage fanden nicht den erhofften Zuspruch bei den Ärzten. Die Begründung war: solange es dem Kind im Mutterleib gut geht und es noch einen unreifen Geburtsbefund gibt, muss ich noch durchalten und es wird nicht eingeleitet. Für mich war diese Begründung zu Gunsten meines Kindes, zum einen nachvollziehbar, aber zum Anderen fühlte ich mich zunehmend unverstanden und nicht ernst genommen in meinem monatelangen Leid. Ich hatte 7 Wochen Krankenhausaufenthalt hinter mir, die Ärzte kannten mich, wussten, wie schlecht es mir ging, aber all das sollte nicht Grund genug sein diese Schwangerschaft zu beenden und mein reifes Kind zur Welt zu holen??! Ich war vor den Kopf gestoßen, enttäuscht und wütend über diese subjektiv empfundene Ignoranz. Ich hatte doch so oft miterlebt, dass Kinder mindestens 10 Tage vor ET aus anderen Gründen, die ebenso von der Mutter ausgingen, per geplantem Kaiserschnitt geholt wurden, wieso sollte das nicht für mich und mein Kind möglich sein?! Wieso ist HG kein ausreichender Grund für eine vorzeitige Einleitung/ Sectio? Dieser Gedanke beschäftigt mich heute, fast zwei Jahre später noch, weil ich dieses zweierlei Maß als ungerecht und nicht nachvollziehbar empfinde.

Selbst habe ich zwei Einleitungen hinter mir. Eine nach vorzeitigem Blasensprung, die Andere nach einem Geburtsstillstand. Beide zu Beginn der 38.SSW. Beide Kinder kamen vollkommen reif und ohne Anpassungsstörungen zur Welt. Eine Einleitung verlief optimal mit einer Spontanen Entbindung, die Andere musste, aufgrund der falschen Lage des Kindes im Geburtskanal , durch einen secundären Kaiserschnitt beendet werden. Dennoch kann ich von keinem schlechten Verlauf oder gar Komplikationen sprechen.

Die Erfahrungen der Frauen, die ich in der Gruppe befragte, sind zum überwiegenden Teil positiv und die Geburtseinleitung wurde als Erlösung empfunden. Oft spielten neben der HG weitere schwangerschaftsbedingte Erkrankungen und Belastungen in die Entscheidung einer frühzeitigen Geburtseinleitung mit hinein. Dem Großteil der Kinder ging es bis auf kleine Probleme oder geringe, unproblematische Unreifezeichen gut und sie konnten mit einem guten Geburtsgewicht gesund entlassen werden.

.. bei mir wurde bei 37 + 0 eingeleitet. Wegen ss Cholestase. Ich war dankbar dafür. Und es war die beste Entscheidung. Mein Kleiner ist wohlauf. … Man hat dann schon so lange durchgehalten. Für die Gesundheit des Babys ist es das wert noch 1 Woche zu schaffen…“ Sylvia würde wieder einer Einleitung zustimmen, jedoch erst in der 38+0 SSW, da ihr Sohn doch relativ klein war und wenig Gewicht hatte „..Wenn dann was passiert, macht man sich sonst Vorwürfe. Aber es kann auch bei 42 + schlimm ausgehen. Die andere, die mit eingeleitet wurde, hatte so einen Fall. Notkaiserschnitt und dann trotzdem noch Neo. Es hängt glaube ich nicht unbedingt an der genauen Woche. Es ist einfach wichtig am KH angebunden zu sein. Gut überwacht zu werden und individuell zu entscheiden. Länger als 40 +0 würde ich auch auf keinen Fall warten.“ (Sylvia K., Einleitung bei 37+0 wegen Schwangerschafts Cholestase )

„…Da ich tatsächlich bis fast zum Schluss gebrochen habe und die Dauerübelkeit nicht Weg ging, hatte meine Ärztin eine Überweisung ins KH geschrieben, die wollten nicht wirklich einleiten, haben es aber gemacht, so fing es an, hatte auch alle 2 min Wehen, aber passiert ist nichts am So kam er dann mit PDA Wehentropf usw. War eine gute Entscheidung, ihm ging es blendend, meine Übelkeit war von jetzt auf gleich so gut wie weg.“ (Kim R.. Einleitung bei 37+0 wegen HG und Nierenstau aufgrund HG, hatte insgesamt 3 vorzeitige Einleitungen und einen KS mit gutem Verlauf)

Eine Erfahrung mit einem Kaiserschnitt auf Wunsch…

Ich bin 32 Jahre alt und Niklas ist mein absolutes Wunschkind er wurde auf meinen Wunsch hin bei 38+1 per Kaiserschnitt geholt. Angefangen hat alles in der 5ssw mit Übelkeit und HCG werten von über 18000. Diese Übelkeit steigerte sich kontinuierlich bis zur 14ssw wo es dann bis zu 40x erbrechen seinen Höhepunkt erreichte. Zum Glück hatte ich eine sehr gute Ärztin, die mich immer wieder stationär hat einweisen lassen aufgrund von stark erhöhten Ketonwerten und starker Austrocknung. Dank einer Assistentzärztin die mir Agyrax empfohlen hat, hörte es in der 19ssw auf. Doch damit war das Elend noch nicht zu Ende durch das extreme Erbrechen hatte sich im Rücken eine Interkostalneuralgie gebildet. Ich hatte 24std am Tag Schmerzen auszuhalten nur durch flaches liegen auf dem Rücken… Am Anfang wollte ich noch normal entbinden aber dadurch, dass es mir immer schlechter ging, habe ich relativ schnell entschieden einen Kaiserschnitt zu wollen. Ich musste so um das Kind kämpfen ich wollte kein Risiko mehr . Hinterher hat sich das als richtige Entscheidung rausgestellt. Niklas hatte 2x die Nabelschnur um den Hals…damit sie ihn früher holen, gab es schon einen Einwand der Oberärztin, dass es für das Kind besser sei noch eine Woche länger drin zu bleiben woraufhin ich ihr geantwortet habe das mag ja alles sein, aber mein Kind hat nichts davon wenn ich noch länger mit den Schmerzen rumlaufe und ich nach der Geburt nicht fit bin, daraufhin hat sie den Termin dann vorgezogen. Alles in allem hatte ich keine Probleme, dass er eher geholt wurde, ich muss aber dazu sagen ich weiß nicht wie es gewesen wäre. wenn ich nicht so selbstbewusst gewesen wäre. Ich behaupte mal das spielt eine große Rolle.“ ( Andrea S., Kaiserschnitt auf Wunsch bei 38+0)

Dann gibt es aber hier in der Gruppe auch die Geschichten von Frauen, die mich zum Nachdenken bringen über das Thema „Vorzeitige Einleitung“. Von Schwangerschaften, die nicht richtig terminiert wurden und es durch eine frühzeitige Einleitung zu eine Frühgeburt kam, die für das Kind keinen guten Start ins Leben bedeutet hat. Hinter dieser Erfahrung steckt viel Schmerz und Leid und vor allem auch das Gefühl einer Fehlentscheidung bezüglich der vorzeitigen Einleitung.

.. ab der 32 ssw wurde gesagt das sie keine 15gr pro Woche zunimmt und ich nun unter strenger Beobachtung stehe .. das hieß alle paar Tage in Krankenhaus zum Doppler .. mit wurde nahe gelegt bald die Kleine zu holen, da sie unterversorgt sein..Doppler war aber immer ok . Ich habe drauf bestanden bis wenigstens 37+0 zu warten..zur Vorsicht wurde mir die lungenreife gespritzt . 37+0 war gekommen und ich musste und kh die Ärzte wollten nicht einen Tag mehr warten..somit wurde eingeleitet..mein Muttermund war überhaupt nicht reif und das Einleiten dauerte Stunden .. nach 2 versuchen mit Zäpfchen und öffnen der Fruchtblase wurde ich dann an Tropf gelegt .. nach 18 Stunden kam meine Tochter mit 2706gr zur Welt .. kurz Zeit später kamen mehr und mehr Ärzte ..die Atmung versagte und sie musste auf Intensiv..dort wurde nach 3 Tagen gründlicher Untersuchung festgestellt das sie maximal 34ssw war .. ein Schock für mich..ihre Lungen kollabierten , die verlor extrem Gewicht , bekam eine schwere Gelbsucht und die Ärzte machten sich Sorgen in das Herz diese Anstrengung mitmacht.. schwere 11 Tage , 3 in Lebensgefahr verbrachten wir auf Intensiv… ich wünschte mir heute, ich hätte nie einleiten lassen..wenn man mich ins KH verlegt hätte und beobachtet hätte, wäre es besser gewesen..ich würde nur wieder so leiten lassen ..ein Kind kommt erst dann wenn es kommen will und es sollte nicht erzwungen werden.. wenn es einem körperlich und psychisch nicht gut geht sollte man sich behandeln lassen auch wenn das heißt stationär .. aber wenn keine Gefahr für Kind und Mutter besteht, finde ich sollte man Mutter und Kind in Ruhe lassen..ich werde mir mein Lebenslang Vorwürfe machen ..was wäre wenn.. mein Fall ist extrem ..aber eine Einleitung ist keine natürliche Geburt und in den meisten Fällen endet es im Kaiserschnitt da das Baby einfach noch zu unreif ist. Zu einer Einleitung ab 42ssw stehe ich etwas anders ..dort wird die Geburt an geschubst und meist braucht es nicht viel um dem Baby den Weg zu zeigen…“ ( Elaine S., Einleitung in der 37.SSW, nach Entbindung korrigiert auf 34.SSW)

Und es gibt auch Mütter, die sich bewusst gegen die Möglichkeit einer Einleitung entschieden haben.

„…also, mein FA hatte in der 37. Woche gesagt, man könne mich eher von meinem Leiden erlösen per Einleitung oder wenn ich wünsche eine KS. ich habe mich bewusst dagegen entschieden (ich gebe zu, ich habe natürlich eine Zeitlang darüber nachgedacht). ich hatte auf der einen Seite nur eine im Bekanntenkreis, bei der das Kind nach Einleitung 2h später auf der Welt war. auf der anderen Seite hatte ich lauter Beispiele wo es 24h und mehr uneffektive wehen waren. vor Erschöpfung ohne PDA nichts mehr möglich war oder dann doch im KS endete. Da ich panische Angst vorm Setzen der PDA habe, und ein KS ohne irgendwelche lebensbedrohlichen Gründe für mich nicht in Frage kam, habe ich das Einleiten abgelehnt. Ich hätte für tagelanges leichte Wehen etc keine Kraft gehabt. Klar, es wäre besser planbar gewesen für meinen Mann und die Große, aber ich hatte ebenfalls Angst, dass ich sie durch meinen Egoismus, damit es mir besser geht, irgendwie gefährde, dass sie dann Startschwierigkeiten gehabt hätte etc. das einzige was mich durchhalten lies, waren die Gedanken daran, wie weit ich es schon geschafft habe und das andere alles dafür getan hätten, wenn das Kind länger im Bauch geblieben wäre (Frühgeburten)“ Susanna sagt aber auch „…mir hat es sehr geholfen, dass der Arzt das von sich aus vorgeschlagen hat. auch als er ab, ich glaub 37.woche sagte, ich darf alles tun damit es losgeht. quasi zu wissen, ich kann dann selbst die Reißleine ziehen.“ (Susanna S-R)

So wird dieses Thema zur emotionalen, aber auch faktisch kritischen Auseinadersetzung . Auf der einen Seite steht das oft monatelange physische und psychische Leid, durch das Frauen mit Hyperemesis gravidarum gehen müssen und auf der anderen Seite die Frage nach dem Kind und sein Recht auf eine angemessene Zeit im Mutterleib, um wachsen und reifen zu können. Was ist hier ethisch, medizinisch und aber vor allem menschlich vertretbar? Für mich persönlich eine sehr schwierige, emotional herausfordernde und faktisch sehr komplexe Frage!

Vielleicht ist es hilfreich sich hierzu auch die medizinischen Fakten und Erfahrungen anzusehen:

Hier stellt sich die Frage: Wann ist ein Kind geburtsbereit?

Man geht davon aus, dass der Geburtsbeginn vom Kind selbst mittels Botenstoffe ausgelöst wird. Neuere Erkenntnisse aus einer amerikanischen Studie weisen jedoch auch darauf hin, dass der Stoffwechsel der Mutter eine große Rolle spielt. Sobald die Mutter nicht mehr ausreichend Energie für sich und das stetig wachsende Kind, welches immer mehr Energie braucht, aufbringen kann wird der Prozess der Geburt ausgelöst. Viele Frauen mit HG haben vorzeitige Wehen. Für mich stellt sich hier die Frage nach einem möglichen Zusammenhang, da unter HG oft eine Mangelernährung, sowie Stoffwechselentgleisungen stattfinden. Ich habe jedoch keine Studie dazu gefunden.

Man geht von einer vollständigen Reife des Kindes ab der vollendeten 37.SSW aus (37+0). Weitere über Ultraschall mehr oder weniger genau messbare Kriterien sind das Gewicht, die Größe, die Körpermaße und die Länge des Kindes. Eine letztendliche Feststellung der Reife kann man daraus jedoch nicht ziehen. Möglich wäre eine Amniozontese (Fruchtwasseruntersuchung) zur Feststellung der Reife von Lunge, Niere und Leber. Dieser Eingriff ist jedoch Risikoreich. Eine allgemeine Schwierigkeit ergibt sich bei vorzeitiger Einleitung, als auch einem geplanten Kaiserschnitt daraus, dass es sich beim Errechneten Geburtstermin lediglich um einen „Anhaltspunkt“ handelt, der sich aus einem 28 Tage Zyklus errechnet. Da der Zyklus der Frau jedoch stark variiert (28-60Tage) lässt sich der tatsächliche Zeugungszeitpunkt nicht alleine daraus schließen. Es sei denn dieser ist genau bekannt. Auch ist die Dauer der Einnistung unterschiedlich. Die ersten 12 Schwangerschaftswochen entwickelt sich jedes Kind in etwa gleich von der Größe her, danach gibt es auch hier durch die unterschiedliche Veranlagung Differenzen und ein genaues Schwangerschaftsalter lässt sich auch hieraus nicht mehr so genau bestimmen.

Was für Risiken bestehen für das Kind bei mangelnder Reife und Frühgeburtlichkeit?

Frühgeburtlichkeit :

Von einer Frühgeburt spricht man bei der Geburt eines Säuglings vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche (SSW). Eine übliche Schwangerschaft dauert 40 Wochen (280 Tage nach der letzten Regelblutung). Bei frühgeborenen Kindern – oft „Frühchen“ genannt – dauert sie weniger als 260 Tage; gerechnet vom ersten Tag der letzten Menstruation. Sie wiegen in der Regel weniger als 2500 Gramm. Der frühestgeborene überlebende Mensch kam 2010 nach nur 21 Wochen und fünf Tagen zur Welt und wog 460 g bei einer Größe von 26 cm (Stand 2010).[1]…“ (wikipedia) Sehr kleine Frühgeborene (VLBW = Very Low Birth Weight) sind Babys, die weniger als 1500 Gramm wiegen und in der Regel unreifer als 32 SSW sind, als extrem kleine Frühgeborene (ELBW = Extremely Low Birth Weight) bezeichnet man Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1000 Gramm…“

„…Bei Frühgeborenen unterscheidet man ferner Babys, die unüblich klein und unüblich leicht für die Schwangerschaftsdauer (Schwangerschaftsalter) sind. Diese nennt man hypotrophe Frühgeborene oder Small-for-gestational-age-Babies (SGA-Babys). Daneben gibt es Frühgeborene, die unüblich groß und unüblich schwer für die Schwangerschaftsdauer (Schwangerschaftsalter) sind. Sie werden als hypertroph bezeichnet. Man nennt sie auch Large-for-gestational-age-Babies (LGA-Babys).[5]“ (wikipedia)

Probleme des Frühgeborenen

Zu den Problemen, die eine Frühgeburt abhängig vom Schwangerschaftsalter mit sich bringen kann, gehören:

Surfactantmangel-Syndrom / Atemnotsyndrom IRDS

Hirnblutungen

Nierenunterfunktion und infolge Herzrythmusstörungen

Darmentzündungen

Netzhauterkrankungen

Adaptionsstörungen

Unreifes Immunsystem

Wichtig zu wissen ist im Zusammenhang mit einer vorzeitigen Einleitung oder Kaiserschnitt , dass die Nebenniere, welche durch ihre Cortisol Bildung ausschlaggebend für die Bildung von Surfactant (Wichtiger Faktor zur Entfaltungsmöglichkeit der Lungenbläschen) ist, erst mit der 35.SSW ihre vollständige Funktion aufnimmt. Zu den weiteren am ehesten wahrscheinlichen Risiken bei der Vorzeitigen Einleitung in einem späten Schwangerschaftsalter (38.SSW) gehört sicherlich die Adaptionsstörung. Diese trifft nicht nur Frühgeborene, sondern auch Neugeborene, die zB eine schwere Geburt oder Kaiserschnitt hinter sich haben, deren Mutter unter Schwangerschafts-Diabetes litt und die unter Infektionen oder aber auch einem Entzug leiden.

Geburtseinleitung

Medizinisch begründete Vorrausetzungen für eine Einleitung sind:

  • Übertragung des Kindes über die 40.SSW hinaus
  • Präeklamsie und chronischer Bluthochdruck
  • Vorzeitiger Blasensprung ohne spontanes Einsetzen der Wehen nach 12 bzW 24 Std.
  • Auffälliges CTG
  • Diabetes Typ I und Typ II bzW Gestations Diabetes
  • Vorgeburtliche Entwicklungsstörung (Geringe Größe und Gewicht des Kindes) durch zB Mangelversorgung im Mutterleib ( zB Plazenta Insuffizienz, Mehrlinge, Alkohol-oder Nikotinabusus)
  • Chronische Lungen – oder Nierenerkrankung der Mutter
  • Psychosoziale Indikationen
  • Hohe körperliche und psychische Belastung der Mutter

Dies sind Begründungen, die ich aus unterschiedlichen Quellen entnommen habe und die teilweise ein Spektrum an individueller Bewertung zulassen, ob eine Einleitung notwendig ist oder nicht. Aber genau dies ist das Thema, welches ich versuche hier etwas näher zu ergründen. Ab wann ist die körperliche und psychische Belastung der Mutter so hoch, dass eine vorzeitige Einleitung der Geburt (medizinisch) vertretbar ist?! Zählen die Belastungen einer HG dazu? In welchen Fällen und unter welchen Voraussetzungen wurde so entschieden? Dazu habe ich Frauen aus der Gruppe gebeten ihre individuelle Geschichte und die Gründe der Einleitung zu schildern. Deutlich wurde hierbei, dass meistens noch weitere Erkrankungen und/oder Belastungen hinzu kamen, welche zu dieser Entscheidung geführt haben. Teilweise waren diese jedoch auch Begleiterscheinungen oder Folgeerkrankungen der HG. Dies lässt sich nicht immer eindeutig nachvollziehen. Dazu müsste man sich noch weiter in die Thematik vertiefen. Ich kann aber beispielsweise von einem eindeutigen Zusammenhang zwischen meiner HG Erkrankung und meiner Drei-Etagen-Thrombose ausgehen, da ich durch die HG über einen langen Zeitraum sehr immobil war und Flüssigkeitsmangel hatte. Zwei entscheidende Risikofaktoren zur Entstehung einer Thrombose. Diese Thrombose war neben der HG ein weiterer entscheidender Grund für meinen schlechten Allgemeinzustand.

Viele Frauen mit HG leiden unter starken Kreislaufproblemen,Schwächezuständen, Mangelzuständen und deren Folgen (Anämie,Neuropathien), Elektrolytentgleisungen,Metabolische Azidose, Exikkose, starker Gewichtsverlust bis hin zur Notwendigkeit der künstlichen Ernährung. Entzündungen der Speiseröhre ( Mallory-Weiss-Syndrom), Präeklamsie als Folge einer Exikkose, Hypovolämie und Hämokonzentration, Rippenbrüche durch das stetige und heftige Erbrechen, Medikamentennebenwirkungen der Antiemetika, soziale Isolation durch mangelnde Teilhabemöglichkeit am Leben, Depressionen bis hin zur Suizidalität. Zu den weitreichenden und schwerwiegenden Folgen einer HG Erkrankung zählen hierbei die Wernicke- Enzephalopathie, Fetale Wachstumsstörungen durch Mangelversorgung, Herzrythmusstörungen aufgrund einer Hypokalämie (Kalziumverlust), Speiseröhren Blutungen – oder Ruptur, Leberfunktionsstörungen bis hin zum Ikterus ( Gelbsucht) und Multiplem Organversagen.

Ganz besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle ein besonders tragisches Ausmaß der HG, der Schwangerschaftsabbruch aufgrund einer nicht mehr tragbaren physischen und vor allem psychischen Belastung der Mutter.

Hierbei wird deutlich, wie groß das individuelle Leid einer Frau sein kann, die unter Hyperemesis Gravidarum leidet und bei der sich irgendwann aufgrund dessen möglicherweise der dringende Wunsch oder auch die Notwendigkeit nach einer frühzeitigen Einleitung der Geburt einstellt.

Oft werden bei der Fragestellung nach einer Einleitung von Seiten der Ärzte aus die Risiken für Mutter und Kind als Einwand gegen eine Einleitung dargelegt. Um diese besser zu verstehen, habe ich hier die Methoden und Risiken für Mutter und Kind kurz dargestellt:

Methoden der Einleitung:

  • Oxytocin intravenös
  • Prostaglandin E2 intrazervikal als Tablette, Gel vor den Muttermund eingebracht
  • Misoprostal synthetisches Prostaglandin
  • Naturheilkundliche Methoden Wehencoctail , Akupunktur
  • Mechanische Methoden Eipollösung, Fruchtblasensprengung

Bei den Methoden zur Einleitung gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen, Vorteile und Risiken. Die jeweilige Methode richtet sich häufig auch nach dem Grund der Einleitung und deren Dringlichkeit, sowie auch nach dem Befund des Muttermundes, dazu lässt sich der sog Bishop-Score heran ziehen. Dies ist ein Punktesystem zur Bewertung der Geburtsreife des Muttermundes. Besteht keine besondere Dringlichkeit , so kann man eine Einleitung zunächst mit Naturheilkundlichen Verfahren versuchen, um den Geburtsbeginn langsam anzuregen. Die Gabe von Hormonen (Oxytocin od. Prostaglandinen) löst in der Regel gezielt Wehen aus. Aber auch diese sind nicht immer gleich auch Muttermundwirksam und der Geburtsprozess kann dauern. Dies ist immer auch abhängig vom vorherigen Befund des Muttermundes. Ist dieser noch sehr unreif, muss man auch hier mit einem geringeren Erfolg und längerem Geburtsverlauf bzW Einleitungsphase rechnen. Hieraus ergeben sich folgende Risiken:

Zum einen kann ein noch unreifer Muttermunds Befund bei Einleitung eine lange Geburtsphase mit allen damit verbundenen Risiken, wie intrauteriner Stress des Kindes mit auffälligem CTG, Erschöpfung der Mutter sowie einen Kaiserschnitt nach sich ziehen. Zum anderen gibt es bei Einleitung mit Hormonen noch weitere spezifische Risiken. Dazu zählen die Überstimulation der Gebärmutter, der sog. „ Wehensturm“ mit der Gefahr einer Uterusruptur und starker Belastung des Kindes, einer Sturzgeburt mit entsprechenden Geburtsverletzungen, Presswehen ohne vollständig eröffnetem Muttermund. Durch die parenterale Darreichungsform des Oxytocins mittels Infusion, lässt sich hier besser dosieren und ggf reagieren und somit das Risiko solcher Gefahren vermindern. Es hat sich auch gezeigt, dass geringere Dosen genauso wirksam sind. Prostaglandin hingegen wirkt sich als Tablette vor den Muttermund gelegt positiv auf dessen Eröffnung aus, da es das Bindegewebe lockert. Bei einem sehr unreifen Befund ist dies zunächst oft üblich. Nachteil ist die geringe Dosierbarkeit und das nicht absetzen können bei Nebenwirkungen. Oftmals werden auch beide Methoden kombiniert. Statistisch gesehen ist zudem die Kaiserschnitt Rate nach Einleitung signifikant erhöht. Dies birgt weitere Risiken für Mutter und Kind. Dazu im Kapitel „ Kaiserschnitt“ mehr.

Kaiserschnitt

Ein geplanter Kaiserschnitt wird in der Regel 14-7 Tage vor dem errechneten Geburtstermin durchgeführt. Man will mit dieser frühzeitigen Abwicklung das Einsetzten von spontanen Geburtswehen, die Richtung ET immer wahrscheinlicher werden, vermeiden und zum anderen lässt sich eine operative Entbindung so besser planen.

Gründe für einen geplanten Kaiserschnitt können sein:

Zwingende Gründe:

  • Plazenta Prävia
  • Vorzeitige Plazentalösung
  • Extreme Frühgeburt
  • Querlage des Kindes
  • Drohende Uterusruptur
  • Deformation des mütterlichen Beckens
  • Nabelschnurvorfall
  • Eklampsie
  • HELLP-Syndrom
  • Infektionen des Fruchtwassers und der Eihäute
  • Plötzliche lebensbedrohliche Verschlechterung des Zustandes von Mutter oder Kind unter der Geburt

Mögliche Gründe:

  • Beckenentlage des Kindes
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Verdacht auf Missverhältnis Becken-Größe des Kindes / Kind über 4.500g
  • Geburtsstillstand
  • Auffälliges CTG unter Wehenbelastung
  • Vorrangegangener Kaiserschnitt
  • Lange Geburt mit Erschöpfung der Mutter
  • Ängste der Mutter bezüglich der Geburt / Traumatische Geburtserfahrungen

Einen sog. „Wunschkaiserschnitt“ ohne jegliche Indikation, gibt es eher selten.

Für das Kind besteht ebenso wie bei einer Geburtseinleitung vor dem ET, auch bei einem geplanten Kaiserschnitt vor der 40.SSW das Risiko einer Frühgeburtlichkeit und Unreife. Hinzu kommen weitere spezifische Risiken im Zusammenhang mit einer Kaiserschnittentbindung:

Häufiger haben Kinder als nach einer spontanen Entbindung Anpassungsstörungen, sowie Atemstörungen nach der Geburt. Zudem wird im weiteren Entwicklungsverlauf ein erhöhtes Risiko an Asthma, Allergien, Diabetes oder Zölliakie zu erkranken beobachtet. Diese Immunologischen Auswirkungen lassen sich sicher unter anderem durch die fehlende Besiedelung durch wichtige Darmbakterien im Geburtskanal erklären. Das allgemeine Mortalitätsrisiko für die Kinder ist signifikant erhöht.

Bei der Mutter kann es zu postoperativen Problemen, wie Infektionen der Kaiserschnittnaht, Blutungen und einer Thrombose kommen. Schmerzen durch die Operationswunde gehören dazu. Dies erfordert in den ersten Tagen eine Einnahme von Schmerzmitteln. Des Weiteren besteht bei Folgeschwangerschaften das Risiko einer Plazenta Prävia, sowie einer erneuten Kaiserschnittentbindung. Von Still – und Bindungsproblemen wird nach einer Kaiserschnitt Geburt häufiger berichtet.

Es gibt viele weitere zum Teil lebenslange Auswirkungen, die durch eine Kaiserschnittentbindung beschrieben oder vermutet werden, auf diese hier einzugehen würde jedoch den Rahmen sprengen.

Ich persönlich, nach meiner Erfahrungen, kann weder von Problemen nach meinen Einleitungen, noch nach meinem Kaiserschnitt berichten. Lediglich die Geburt dauerte bei den Einleitungen im Vergleich zu einem natürlichen Geburtsbeginn wesentlich länger und die Schmerzen und Immobilität nach dem Kaiserschnitt waren deutlich einschränkender.

Wie wirken sich die HG, die Medikamenteneinnahme und der Stress der Mutter auf das Ungeborene aus?

Das eine Frau die HG Erkrankung als enorm belastend erlebt, steht außer Frage. Doch wie wirkt sich die Mangelernährung, der Dauerstress, die Depressionen und die dauerhafte Medikamenten Einnahme auf das Ungeborene aus? Diese Frage habe ich mir in meiner Entscheidungsfindung für eine vorzeitige Einleitung neben der Frage der möglichen Risiken für ein Kind, das in der 38.SSW geboren wird, gestellt. Hat mein in aller Regel reifes Kind mehr Vorteile, wenn ich ihm noch die Zeit im Mutterleib lasse, die es möglicherweise noch braucht oder mehr Nachteile, wenn ich ihm weiterhin meine notwendige tägliche Dosis Vomex und Clexane mit verabreiche? Wenn es meinen Stress und meine Belastung abbekommt, meine ständigen Kreislaufzusammenbrüche mit machen muss, die Mangelernährung, den Eisenmangel, die Luftnot und meine Unfähigkeit mein Kind wahrzunehmen, mit ihm zu reden, meinen Bauch zu streicheln, weil es mir so schlecht ging, dass es mir beinahe gleichgültig war. Meine Angst, es auch nach der Geburt nicht annehmen zu können war groß und verursachte Schuldgefühle… Wäre es da nicht besser, es käme zwei Wochen vor dem ET zur Welt und wäre nicht mehr all diesen negativen Einflüssen ausgesetzt…?! Ich habe mich dieser Frage mal von der wissenschaftlichen Seite her genähert und mir Studien zum Thema Stress, Depression und Mangelernährung angesehen. Eine kleine Zusammenfassung zum Verständnis hier: ( Das Medikamente in der Schwangerschaft nur unter großer nutzen Risiko Abwägung eingenommen werden sollten, versteht sich von selbst)

Stress

Das Stresshormon Cortisol geht zu 10% über die Plazenta auf das ungeborene über. Dies hat einen beträchtlichen Einfluss auf die Gehirnentwicklung des Kindes. So sorgt es dafür, dass das Gehirn schneller reift, dies geht Kosten von Wachstum und Zellreifung. Tief-und REM Schlaf wechseln sich in sehr kurzen Abständen ab, bekannt ist dies auch bei der Entwicklung von Depressionen. Des Weiteren erhöht sich das Risiko für Frühgeburtlichkeit, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen , Diabetes, Asthma und Allergien, sowie ein niedriges Geburtsgewicht. Pränataler Stress hebt den Cortisolspiegel dauerhaft an. Zu unterscheiden ist hierbei dauerhafter und kontinuierlicher Stress von normalen, alltäglichen Stresssituationen, wie Herausforderungen im Job, normale Konflikte usw.

Depressionen

Eine große Anzahl an Frauen, die an HG erkrankt sind leiden an Depressionen aufgrund der andauernden Belastung, Isolierung und zermürbenden Dauerübelkeit. Auch hier ist das Ungeborene Stresshormonen mit oben beschriebenen möglichen Auswirkungen ausgesetzt und das Frühgeburtsrisiko steigt. Zudem erlebt die Mutter oft nur eine geringe Bindung zu ihrem Kind, ist nur in geringem Maße fähig mit dem Kind im Mutterleib zu kommunizieren und es wahr zu nehmen. Schuldgefühle entstehen auch hier.

Mangelernährung und Exikkose

Dies ist in der gesamten Schwangerschaft immer wieder ein sehr angstbesetztes und besorgniserregendes Thema für Frauen mit HG. Wer kaum Nahrung und Flüssigkeit bei sich behalten kann, weil er bis zu 50 Mal am Tag erbricht, extrem an Gewicht bis hin zur starken Untergewichtigkeit verliert, eine extreme Abneigung gegen Lebensmittel und Flüssigkeit erlebt und dann im Kopf hat, dass sich gerade Schwangere gesund und ausgewogen ernähren sollten, der ist zwangsläufig mit großer Sorge um sein Kind konfrontiert. Ich selbst musste zeitweise, neben der Flüssigkeitsgabe, über die Venen künstlich ernährt werden und wog in meiner schlimmsten HG Zeit gerademal nur noch 43kg. Erlebte die enorme Schwäche, die Flüssigkeitsmangel und Mangelernährung mit Elektrolytentgleisungen mit sich brachten. In meiner ersten Schwangerschaft konnte ich mir nicht vorstellen, am Ende ein gesundes Kind in den Armen zu halten. Meine Kinder kamen mit einem Gewicht von 2740g,2780g und 2500g und 48, 52 und 50cm Körpergröße alle in der 38.SSW zur Welt.

Auch wenn sich die Kinder i.d.R alles holen, was sie im Mutterleib zum Wachsen brauchen, so kann es auch hier gesundheitliche Auswirkungen auf das Kind geben. Dazu zählen: Entwicklungsstörungen und Wachstumsverzögerungen, Früh-und Fehlgeburten, Herzschwäche, Mangelerscheinungen (zB Anämie). Zudem gibt es Studien, welche belegen, dass das Suchtrisiko im späteren Leben steigt, ebenso das Risiko für Depressionen. Ein Zinkmangel der Mutter kann zudem eine Schwangerschaftsvergiftung zur Folge haben.

Wenn man all diese Risiken von einer möglicher Frühgeburtlichkeit und Unreife bei einer Einleitung und Kaiserschnitt mit der Belastung einer HG Schwangerschaft mit deren Folgeerkrankungen für Mutter und Kind gegeneinander abwägt, dann wird deutlich, dass dies kaum möglich erscheint und es vermutlich keine optimale Lösung gibt.

Ich komme nach meiner Auseinandersetzung mit diesem Thema für mich zu dem Schluss, dass man es nicht in Schwarz und Weiß aufteilen kann. Es gibt so viele Aspekte, die individuell beachtet und berücksichtigt werden sollten. Für mich persönlich stellen sich nach meiner Recherche und der Befragung der Mütter viele Fragen und das Thema hat mich nachdenklich gemacht. Mir wird bewusst, dass Frauen mit HG die gesamte Schwangerschaft durch vor viele Entscheidungen dieser Art gestellt sind: Werde ich nach einer HG Schwangerschaft noch einmal schwanger und belaste meine Familie und mich selbst damit? Nehme ich Medikamente, die meinem Kind möglicherweise schaden könnten, die kaum erforscht sind, mir selbst aber das „Leben“ retten? Es geht um Aushalten, überleben und das stetige Abwägen zwischen Risiken, Nutzen und Notwendigkeiten. Im Normalfall sind ich und viele der Mütter hier, sehr bewusst und kritisch im Umgang mit Gesundheit, Medikamenten und dem Wohl ihrer Kinder. Und dann überrollt einen die HG und lässt einem oft keine andere Wahl als zu Vomex, Agyrax oder Zofran zu greifen und zu beten und zu hoffen, dass man seinem ungeborenen Kind keinen Schaden damit zufügt. Das Schlechte Gewissen wird zum ständigen Begleiter. Man schüttet vielleicht literweise Cola in sich hinein, weil es das Einzige ist was drinnen bleibt, greift zu Fastfood & Co. Obwohl man weiß, dass es nicht die richtige Ernährung für eine werdende Mutter und ihr Kind ist…aber im Zweifel ist all das besser, als auszutrocknen und am Ende künstlich ernährt werden zu müssen. Gehe ich ins Krankenhaus zur Infusionstherapie und lasse meine anderen Kinder dafür alleine? Wenn ich nicht gehe, riskiere ich dann die Gesundheit meines Ungeborenen? Und die schwerste aller Fragen, die sich die allermeisten Frauen mit HG irgendwann stellen: kann ich diese Schwangerschaft weiter führen?! Es sind Wunschkinder, teilweise lange erhoff und ersehnt und dennoch bleibt dieser verzweifelte Gedanke bei fast keiner dieser Frauen aus…

Es ist und bleibt am Ende eine individuelle Situation und Entscheidung, die nicht verurteilt werden, sondern als das betrachtet werden sollte, was sie ist: die Sehnsucht und das drängende Verlangen nach dem Ende einer monatelangen extremen körperlichen und psychischen Belastung. Ich würde mir diesbezüglich mehr Sensibilität, Offenheit und ein genaueres Betrachten der individuellen Situation einer Frau mit HG von den Ärzten und Hebammen wünschen! Schon nur das Gefühl, ernstgenommen und in meiner Entscheidung diesbezüglich als Frau und Mutter selbstbestimmt, eigenverantwortlich und frei zu sein, hätte mir vermutlich noch die nötige Kraft und den Anstoß gegeben auch noch einen natürlichen Geburtsbeginn abzuwarten. Die Ärzte haben bei mir nicht zu einer vorzeitigen Einleitung eingewilligt. Ich hatte das Glück, dass sich meine kleine Tochter bei 37+6 selbst auf den Weg gemacht hat und genau bei 38+0 zur Welt kam. Vollkommen Reif und mit einem Gewicht von 3500g und einer Größe von 50cm. Als ich sie das erste Mal in den Armen hielt, habe ich geweint vor Freude und Glück, aber auch vor unsaglicher Erleichterung darüber, dass meine monatelange Übelkeit endlich ein Ende hatte…

Quellen:

Wikipedia

Baby-tipps.de

Geburtsallianz.de

spiegel.de

die welt.de

zentrum-der-gesundheit.de

familienplanung.de

gesundheits-lexikon.com

pharmazeutischezeitung.de

Der Gynäkologe – 12-2000 / Dr.P.Hillemann

Disseratation Aneta Wisniewska-Komornicka, Otto-von-Geuricke-Uni Magdeburg Sept. 2011

 

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